Peter Ustinov – Witz als Form der Weltoffenheit
Peter Ustinov war weit mehr als ein Schauspieler. Er schrieb Theaterstücke und Bücher, führte Regie, inszenierte Opern, imitierte Stimmen, erzählte Geschichten und konnte mit wenigen Sätzen eine ganze Gesellschaft entlarven. Seine besondere Begabung bestand darin, Widersprüche sichtbar zu machen, ohne dem Menschen die Würde zu nehmen. Der Witz war bei ihm keine Flucht vor dem Ernst, sondern eine besonders bewegliche Form des Denkens.
Seine Herkunft war so international wie seine spätere Wirkung. In London geboren und in einer Familie mit russischen, deutschen, französischen, italienischen, äthiopischen und weiteren europäischen Bezügen aufgewachsen, misstraute Ustinov einfachen nationalen Schubladen. Er wurde zum Weltbürger nicht durch ein Programm, sondern durch Erfahrung.
Der Schauspieler, der Menschen beobachtete
Sein internationaler Durchbruch gelang Ustinov 1951 als Nero in Quo Vadis. Er spielte den Kaiser nicht als eindimensionales Ungeheuer, sondern als gefährliche Mischung aus Eitelkeit, Unsicherheit und theatralischer Selbstüberschätzung. Später erhielt er für Spartacus und Topkapi zwei Oscars als bester Nebendarsteller. Vielen Zuschauern blieb er außerdem als Hercule Poirot in Erinnerung.
Doch seine eigentliche Kunst reichte über einzelne Rollen hinaus. Ustinov war ein genauer Beobachter menschlicher Schwächen. Seine Figuren, Anekdoten und Parodien zeigen, wie eng Macht und Lächerlichkeit, Hochmut und Angst oder Vorurteil und Gedankenlosigkeit beieinanderliegen. Damit berührt sein Werk zentrale GSW-Themen: Rhetorik, Psychologie, Humor und die Frage, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen.
Bekanntheit als Verpflichtung
Von 1969 bis zu seinem Tod war Ustinov UNICEF-Sonderbotschafter. Er reiste, warb um Unterstützung und setzte seine Prominenz für Kinder und internationale Verständigung ein. Seine Fähigkeit, Menschen zum Lachen zu bringen, wurde dabei zu einer diplomatischen Kraft: Humor konnte Nähe schaffen, wo politische Sprache oft Distanz erzeugte.
Für GSW ist Peter Ustinov deshalb ein Charakterkopf, bei dem Kunst und Haltung zusammengehören. Er erinnert daran, dass Bildung nicht steif, Ernsthaftigkeit nicht humorlos und Weltbürgertum nicht abstrakt sein müssen. Wer über sich selbst lachen kann, verliert vielleicht ein wenig Eitelkeit – und gewinnt dafür Beweglichkeit, Neugier und Menschlichkeit.
Auszeichnungen
- 1952 Golden Globe Award Für die Rolle des Nero in Quo Vadis.
- 1958 Emmy Awards – Sammelbegriff Ausgezeichnet für seinen Auftritt in Omnibus.
- 1960 Grammy Ausgezeichnet für die Sprechaufnahme Peter and the Wolf.
- 1961 Oscar Für die Rolle des Lentulus Batiatus in Spartacus.
- 1965 Oscar Für die Rolle des Arthur Simpson in Topkapi.
- 1967 Emmy Awards – Sammelbegriff Ausgezeichnet für Hallmark Hall of Fame.
- 1970 Emmy Awards – Sammelbegriff Ausgezeichnet für A Storm in Summer.
- 1975 Commander of the Order of the British Empire (CBE) Ernennung zum Commander of the Order of the British Empire (CBE).
- 1990 Knight Bachelor – britische Ritterwürde Für seine künstlerischen und humanitären Verdienste; seitdem Sir Peter Ustinov.
- 1992 BAFTA Britannia Award Ehrung für sein Lebenswerk und seinen Beitrag zur Filmkunst.

