Entscheidend ist dabei weniger, was uns begegnet, als wie wir es wahrnehmen. Druck entsteht nicht allein durch eine schwierige Situation. Er entsteht auch durch unsere Bewertung dieser Situation. Was der eine als Belastung erlebt, kann für den anderen eine Aufgabe sein, an der er seine Fähigkeiten erprobt. Damit verschwindet eine Schwierigkeit nicht – aber aus einem Hindernis kann eine Herausforderung werden, der wir uns bewusst stellen.
Umgang mit Stress
Ähnlich verhält es sich mit Stress. Distress und Eustress liegen oft erstaunlich dicht beieinander. Ein anspruchsvolles Ziel kostet Kraft, verlangt Konzentration und kann uns bis an unsere Grenzen führen. Trotzdem empfinden wir diese Anstrengung anders, wenn wir wissen, wofür wir sie auf uns nehmen. Wer sein Ziel selbst definiert, erlebt Belastung nicht nur als etwas, das ihm widerfährt, sondern als Teil eines Weges, den er gewählt hat. Anstrengung bekommt einen Sinn – und aus Druck kann Energie werden.
Vielleicht liegt darin der optimistische Kern dieses Gedankens: Wir können nicht jede Herausforderung auswählen, aber wir besitzen Spielraum darin, was wir aus ihr machen. Grenzen sind keine unverrückbaren Mauern. Manchmal zeigen sie lediglich, wo Entwicklung beginnen kann. Wer ein Ziel vor Augen hat, muss deshalb nicht weniger leisten und erlebt auch nicht weniger Widerstände. Doch er leidet nicht zwangsläufig unter ihnen – denn jeder überwundene Widerstand kann zum sichtbaren Beweis werden: Ich bin heute ein Stück weiter als gestern.