Der Wüstenkönig ist angezählt
Gianni Infantino wollte das Tafelsilber der FIFA verkaufen.
Teile der kommerziellen WM-Rechte sollten in eine 20 Milliarden Dollar schwere Gesellschaft ausgelagert werden. 20 Prozent davon waren für private Investoren vorgesehen. Den 211 nationalen Verbänden stellte Infantino jeweils 20 Millionen Dollar in Aussicht, falls sie zustimmten.
Natürlich ist das kein Schmiergeld.
Es ist Entwicklungshilfe mit Stimmzettel.
Doch diesmal ging die Rechnung nicht auf. Die UEFA und ihre 55 Mitgliedsverbände drohten mit dem Boykott der FIFA-Wettbewerbe. Infantino zog seinen Investorenplan zurück.
Das war keine Einsicht. Das war eine Notbremsung.
Denn eine Weltmeisterschaft ohne die europäischen Spitzenmannschaften wäre zwar noch immer eine Veranstaltung. Aber kaum ein Fernsehsender und kaum ein Investor würde dafür dieselben Milliarden bezahlen. Die UEFA besitzt mehr Macht, als sie sich lange zugetraut hat. Sie musste nur einmal damit drohen, diese Macht tatsächlich zu benutzen.
Infantinos Rückzug beendet die Angelegenheit deshalb nicht. Er zeigt nur, dass der Widerstand richtig war.
Schon bei der Vergabe der WM 2034 hatte Infantino vorgeführt, wie sich Regeln passend falten lassen. Weil 2022 in Asien und 2026 in Nordamerika gespielt wird, verteilte die FIFA die WM 2030 kurzerhand auf Europa, Afrika und Südamerika. Damit waren drei Kontinente auf einen Schlag abgehakt – und für 2034 war der Weg nach Saudi-Arabien frei.
Auch sportlich kennt Infantino nur eine Richtung: mehr Spiele, mehr Turniere, mehr Geld. Eine aufgeblähte Klub-WM, eine größere Weltmeisterschaft und zeitweise sogar der Plan einer WM im Zweijahresrhythmus. Ruhezeiten für die besten Spieler stören da nur. Gleichzeitig würden die europäischen Wettbewerbe entwertet, wenn Nationalmannschaften und Vereine immer häufiger für FIFA-Turniere antreten müssen.
Das ist kein Nebeneffekt. Es ist der Kampf um die Macht im Weltfußball.
Infantino weiß genau, dass die stärksten Mannschaften, die wertvollsten Ligen und seine gefährlichsten Kritiker in Europa sitzen. Deshalb muss Aleksander Čeferin jetzt konsequent bleiben. Es reicht nicht, den Verkauf zu verhindern. Der Verkäufer muss gehen.
Vielleicht findet sich für Infantino dennoch ein passendes Reich: irgendwo in der Wüste, mit einem goldenen Schreibtisch, einem lebenslangen Präsidentenamt und 211 leeren Stühlen, die bei jeder Abstimmung einstimmig für ihn votieren.
Im richtigen Fußball dagegen wird es Zeit für die Rote Karte.