Sonntag

Warum trägt der Sonntag die Sonne im Namen – und wie wurde aus dem antiken Tag des Sonnengottes unser heutiger Ruhetag?
Sonntag

Der Sonntag ist weit mehr als nur der letzte Tag unseres heutigen Wochenendes. In seinem Namen begegnen sich antike Himmelsbeobachtung, römische und griechische Mythologie und christliche Tradition. Sol und Helios, der „Tag der Sonne“, die Auferstehung und schließlich der gesetzliche Ruhetag haben ihre Spuren hinterlassen. Und selbst die Frage, ob der Sonntag eigentlich der erste oder der siebte Tag der Woche ist, führt uns tief in die Geschichte unseres Kalenders.

Der Tag der Sonne

Wie der Montag den Mond, trägt der Sonntag die Sonne unmittelbar im Namen. In der römischen Siebentagewoche hieß er „dies Solis“ – Tag der Sonne. Diese Vorstellung blieb in den germanischen Sprachen erhalten: Das englische „Sunday“ erzählt dieselbe Geschichte wie unser Sonntag. In mehreren romanischen Sprachen setzte sich dagegen später die christliche Bezeichnung als „Tag des Herrn“ durch, etwa französisch „dimanche“, italienisch „domenica“ und spanisch „domingo“.

Die Sonne in Mythologie und Symbolik

Kaum ein Himmelskörper hat die menschliche Vorstellungskraft so geprägt wie die Sonne. Sie spendet Licht und Wärme und bestimmt mit ihrem täglichen Lauf unseren Rhythmus von Tag und Nacht. Entsprechend wurde sie in zahlreichen Kulturen göttlich verehrt oder mit Gottheiten verbunden. Bei den Römern begegnet uns Sol, in der griechischen Mythologie Helios, der mit seinem Sonnenwagen über den Himmel zieht.

In der Symbolik steht die Sonne häufig für Licht, Leben, Klarheit, Kraft und Erneuerung. Solche Bedeutungen gehören zur Mythologie und Kulturgeschichte; zugleich beruht ihre besondere Stellung auf einer sehr realen Grundlage: Ohne die Energie der Sonne wäre das Leben auf der Erde, wie wir es kennen, nicht möglich.

Vom Sonnentag zum Tag des Herrn

Für das Christentum erhielt der Sonntag eine neue Bedeutung. Nach christlicher Überlieferung ist Jesus am ersten Tag der Woche von den Toten auferstanden. Der Sonntag wurde deshalb zum besonderen Tag der Gottesdienste und schließlich zum christlichen Feiertag. Im Jahr 321 ordnete Kaiser Konstantin für den römischen Herrschaftsbereich einen regelmäßigen Ruhetag am „verehrungswürdigen Tag der Sonne“ an – ein wichtiger Schritt in der Geschichte des Sonntags als öffentlichem Ruhetag.

Ist Sonntag der erste oder der siebte Tag?

Darauf gibt es je nach Zusammenhang unterschiedliche Antworten. In der jüdischen und traditionellen christlichen Wochenzählung folgt der Sonntag auf den Sabbat und gilt als erster Tag der Woche. In unserem heutigen Alltags- und Arbeitskalender wird dagegen meist der Montag als Wochenbeginn empfunden. Die internationale Norm ISO 8601 zählt den Montag als ersten und den Sonntag entsprechend als siebten Tag.

Genau dieser Unterschied erklärt übrigens auch den Namen „Mittwoch“: Zählt man vom Sonntag aus, ist der Mittwoch der vierte und damit tatsächlich der mittlere Tag einer siebentägigen Woche.

Sonntag: Ruhe vor dem Neubeginn

Der Sonntag steht heute zwischen zwei Welten. Er gehört noch zum Wochenende, zugleich wirft der Montag bereits seinen Schatten voraus. Gerade deshalb kann er mehr sein als nur der letzte freie Tag: ein bewusstes Innehalten zwischen Abschluss und Neubeginn.

Vielleicht schließt sich hier der Kreis unserer Woche besonders schön. Der Montag beginnt mit neuer Kraft, der Dienstag bringt uns ins Handeln, am Mittwoch halten wir in der Mitte kurz inne, der Donnerstag gibt Energie für den Endspurt, am Freitag lassen wir die Arbeitswoche los und der Samstag schenkt freie Zeit. Der Sonntag schließlich gibt Raum für Ruhe, Licht und Ausblick – bevor alles wieder von vorn beginnt.

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