Kaum ein Wochentag klingt so kraftvoll wie der Donnerstag. Blitz und Donner gehören seit Jahrtausenden zu den eindrucksvollsten Erscheinungen der Natur – und entsprechend mächtige Gestalten schufen die Menschen, um sie zu erklären. Die Geschichte dieses Tages führt deshalb mitten hinein in die Welt der germanischen und römischen Götter, zu einem berühmten Hammer und schließlich von der Mythologie zur ganz realen Naturwissenschaft des Gewitters.
Donars Tag
Im Namen Donnerstag steckt tatsächlich der Donner. Namensgeber ist Donar, eine germanische Gottheit, die wir aus der nordischen Mythologie vor allem als Thor kennen. Donar beziehungsweise Thor herrscht über Blitz und Donner und gehört zu den bekanntesten Gestalten der germanisch-nordischen Götterwelt. Auch das englische „Thursday“ bewahrt seinen Namen besonders deutlich: Es bedeutet „Thor’s day“ – Thors Tag.
Von Jupiter zu Donar
Bei den Römern war der Donnerstag Jupiter gewidmet: „dies Iovis“, der Tag des Jupiter. Als römische Wochentagsnamen in germanische Sprachen übertragen wurden, suchte man nach Gottheiten mit ähnlichen Eigenschaften. Jupiter, der mächtige Himmels- und Gewittergott, fand seine Entsprechung in Donar. In romanischen Sprachen ist Jupiter bis heute im Donnerstag zu erkennen – etwa im französischen „jeudi“, italienischen „giovedì“ oder spanischen „jueves“.
Thor und sein Hammer Mjölnir
Untrennbar mit Thor verbunden ist sein Hammer Mjölnir. Mit ihm kämpft er in den nordischen Mythen gegen Riesen und andere bedrohliche Mächte. Der Hammer kehrt nach dem Wurf zu seinem Besitzer zurück und ist nicht nur eine Waffe: In den Überlieferungen dient Mjölnir auch dazu, zu weihen und zu segnen. Thor erscheint deshalb nicht allein als kämpferischer Donnergott, sondern ebenso als Beschützer der göttlichen und menschlichen Ordnung.
Das Symbol des Thorshammers war so bedeutend, dass kleine Hammeramulette getragen wurden. Archäologische Funde solcher Anhänger zeigen, wie weit verbreitet das Zeichen im skandinavischen Raum der Wikingerzeit war. In der Mythologie verbinden sich darin Kraft und Schutz – zwei Eigenschaften, die Thor besonders deutlich verkörpert.
Warum donnert es eigentlich?
Wo die Mythologie einen Donnergott hörte, erklärt die Naturwissenschaft heute ein physikalisches Geschehen. Ein Blitz erhitzt die Luft in seiner unmittelbaren Umgebung innerhalb kürzester Zeit sehr stark. Die Luft dehnt sich schlagartig aus und erzeugt eine Druckwelle, die wir als Donner hören. Weil sich Licht sehr viel schneller ausbreitet als Schall, sehen wir den Blitz meist deutlich früher, als wir den zugehörigen Donner hören.
Donnerstag: Kraft für den Endspurt
In der modernen Arbeitswoche hat der Donnerstag eine besondere Stellung. Die Wochenmitte ist überschritten, vieles ist bereits geschafft, zugleich bleibt noch Zeit, Vorhaben zu Ende zu bringen. Der Freitag und damit für viele Menschen das Wochenende rücken in Sichtweite.
Als moderne symbolische Deutung passt Donar erstaunlich gut zu diesem Tag: Kraft bündeln, Hindernisse aus dem Weg räumen und Angefangenes mit Energie voranbringen. Nicht jeder Donnerstag braucht Blitz und Donner – ein wenig Entschlossenheit für den Endspurt genügt meist völlig.








