Mittwoch

Warum heißt der Mittwoch einfach „Mitte der Woche“ – und wohin verschwanden Wodan, Odin und Merkur aus seinem Namen?
Mittwoch

Der Mittwoch ist ein Wendepunkt. Der Wochenanfang liegt hinter uns, die zweite Hälfte noch vor uns – ein guter Moment, um kurz innezuhalten und die eigene Richtung zu prüfen. Passend dazu erzählt dieser Wochentag eine ungewöhnliche Geschichte: von der Mitte und vom Gleichgewicht, aber auch von verschwundenen Göttern, der Suche nach Wissen und einem Namen, der viel nüchterner klingt als seine Vergangenheit.

Warum heißt der Mittwoch einfach Mittwoch?

Der Name ist erstaunlich nüchtern: Mittwoch bedeutet tatsächlich „Mitte der Woche“. Voraussetzung dafür ist allerdings eine Zählung, bei der der Sonntag als erster Tag gilt. Dann ist der Mittwoch der vierte und damit mittlere Tag einer siebentägigen Woche. Die Bezeichnung verbreitete sich im deutschen Sprachraum im Mittelalter und verdrängte ältere Namen, die noch auf eine germanische Gottheit verwiesen.

Wodan verschwindet aus dem deutschen Mittwoch

Bevor sich „Mittwoch“ durchsetzte, war auch dieser Wochentag mit einer Gottheit verbunden: Wodan, in der nordischen Überlieferung Odin. Die Spur ist im Englischen bis heute erhalten. „Wednesday“ geht auf „Woden’s day“ zurück – den Tag Wodans. Auch hier steckt das bekannte Prinzip dahinter, einen römischen Gott durch eine germanische Entsprechung zu ersetzen.

Der römische Mittwoch war der „dies Mercurii“, der Tag des Merkur. Merkur galt als beweglicher Götterbote, als Gott des Handels und der Reisenden. In romanischen Sprachen ist sein Name bis heute zu erkennen: französisch „mercredi“, italienisch „mercoledì“ und spanisch „miércoles“ führen unmittelbar zu Merkur zurück.

Odin: Wissen hat seinen Preis

Wodan beziehungsweise Odin ist eine der vielschichtigsten Gestalten der germanisch-nordischen Mythologie. Er wird mit Weisheit, Dichtung, Magie, Krieg und Herrschaft verbunden. Besonders bekannt ist seine unstillbare Suche nach Wissen. Einer Überlieferung zufolge gab Odin eines seiner Augen hin, um aus Mimirs Brunnen trinken und tiefere Weisheit erlangen zu dürfen.

In einer anderen Erzählung hängt Odin neun Nächte verwundet am Weltenbaum Yggdrasil, um Erkenntnis über die Runen zu gewinnen. Diese Geschichten zeichnen Wissen nicht als etwas, das mühelos zufällt. Erkenntnis verlangt Suche, Ausdauer und manchmal die Bereitschaft, Gewohntes aufzugeben.

Die Mitte der Woche

Heute erleben viele Menschen den Mittwoch tatsächlich als Wochenmitte – zumindest innerhalb der klassischen Arbeitswoche von Montag bis Freitag. Der Anfang ist geschafft, das Wochenende aber noch nicht erreicht. Damit eignet sich der Mittwoch gut für einen kurzen Zwischenstand: Was ist erledigt? Was braucht noch Aufmerksamkeit? Und was sollte vielleicht neu geordnet werden?

So bekommt der scheinbar sachliche Name eine schöne moderne Bedeutung. Die Mitte ist nicht nur ein Punkt zwischen Anfang und Ende. Sie ist ein Ort, an dem man innehalten, den bisherigen Weg betrachten und die Richtung für die zweite Hälfte bestimmen kann.

Bergfest: Von jetzt an geht es Richtung Wochenende

Umgangssprachlich wird der Mittwoch deshalb gern als „Bergfest“ bezeichnet. Das Bild stammt vom Erreichen eines Höhepunkts oder einer Halbzeit: Der erste Teil des Weges liegt hinter uns, nun geht es auf der anderen Seite wieder hinunter. Bei einer fünftägigen Arbeitswoche markiert der Mittwoch sinngemäß diesen Wendepunkt.

Vielleicht ist das die freundlichste Art, auf den Mittwoch zu schauen: nicht als Tag, an dem noch eine halbe Woche vor uns liegt, sondern als Moment, an dem bereits eine halbe Woche geschafft ist.

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