„Allen Fortschritt verdanken wir den Unzufriedenen. Zufriedene lieben keine Veränderung.“
— Salvatore Quasimodo
Unzufriedenheit ist zunächst nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Sie kann der Anfang jeder Verbesserung sein. Wenn du mit allem zufrieden bist, hast du wenig Anlass, etwas zu verändern.
Entscheidend ist, was du aus deiner Unzufriedenheit machst?
Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die einen Moment innehalten. Du schaust dir an, was schiefgegangen ist, suchst nach den Ursachen und überlegst: Wie könnte es besser funktionieren?
Du kannst dich aber auch sofort in operative Hektik stürzen. Du suchst Schuldige, bevor du die Ursachen kennst. Aus deiner Unzufriedenheit wird Trotz, aus Trotz wird Wut und aus Wut vielleicht ein mächtiger Impulsdurchbruch. Danach ist die Situation nicht besser, sondern zehnmal schlimmer als zuvor.
Veränderung braucht deshalb mehr als Unzufriedenheit. Sie braucht ein Ziel.
Und dann kommt die zweite Frage: Wem soll deine Veränderung eigentlich dienen?
Du kannst überlegen, wie du deine persönliche Situation verbesserst. Du kannst aber auch fragen, wie eine Veränderung deinem Team, deiner Gemeinschaft oder vielleicht sogar sehr vielen Menschen nutzen könnte.
Wenn du ausschließlich deine eigene Befindlichkeit zum Maßstab machst, musst du andere durch Druck, Macht oder Versprechungen auf deine Seite ziehen. Das funktioniert manchmal erstaunlich gut – aber selten dauerhaft. Druck erzeugt Gegendruck. Und Versprechen haben eine unangenehme Eigenschaft: Irgendwann möchte jemand, dass du sie einlöst.
In deinem Unternehmen, deiner Gruppe oder deinem Team erreichst du nachhaltige Verbesserungen deshalb eher, wenn du Vertrauen und Gemeinschaft stärkst. Führung zeigt sich nicht darin, die anderen vorauszuschicken. Beim Angriff gehst du voran. Wird es schwierig, stellst du dich vor deine Leute. Wenn du Loyalität erwartest, kannst du Verantwortung nicht delegieren!
Und genau darin steckt für dich, vielleicht die entscheidende Frage hinter Quasimodos Satz:
Was machst du mit deiner Unzufriedenheit?
Machst du sie zum Treibstoff für deinen Ärger – oder zum Ausgangspunkt für eine Verbesserung?
Unzufriedenheit kann tatsächlich Fortschritt hervorbringen. Aber nur, wenn zwischen deinem ersten Ärger und deiner nächsten Handlung etwas geschieht, das gelegentlich unterschätzt wird:
Vordenken ist besser, als hinterher entschuldigen.
Und falls das nicht sofort gelingt, zähle langsam bis zehn und atmet dabei mindestens dreimal kräftig aus und sehr langsam durch die Nase wieder ein!
Und wenn du andere für deine Veränderung gewinnen willst, denke daran, dass deine Versprechen länger leben können als der Augenblick, in dem du sie aussprichst.
Dafür gibt es einen alten rhetorischen Merksatz:
„Gebrochenes Versprechen ist gesprochenes Verbrechen.“
Ein schöner Satz – aber auch ein gefährlicher. Wenn du ihn in einer hitzigen Diskussion einsetzen möchtest, solltest du ihn vorher so oft gesprochen haben, dass er wirklich sitzt. Denn wenn du an einem wirkungsvollen Satz selbst stolperst, schenkst du deinem Gegenüber mehr Munition, als du dir selbst verschaffst.