Das Bild, das wir von und in uns tragen
„Zuzuhören – nicht zu reden – ist die am meisten geschätzte und gewinnendste Form der Kommunikation.“
Wir kommunizieren nicht nur mit Worten. Wir zeigen auch etwas von dem Bild, das wir von uns selbst in uns tragen.
Wer sich innerlich unsicher fühlt, versucht vielleicht, besonders bestimmt aufzutreten. Wer fürchtet, nicht ernst genommen zu werden, redet womöglich länger, lauter oder eindringlicher alJoyce Brotherss nötig. Wer sich ständig beweisen muss, hört häufig nicht mehr zu, um den anderen zu verstehen, sondern nur noch, um möglichst schnell selbst wieder das Wort zu ergreifen – und tarnt diese Taktik als Antwort. Solche Menschen wollen häufig nicht über sachliche Punkte sprechen, sondern als Dampfplauderer das große Wort führen. Jeder sachliche Fakt, den sie nicht selbst vorbereitet haben, stört dabei nur.
Sehr gute Schauspieler können persönliche Befindlichkeiten für eine Rolle zurückstellen. Auch dir gelingt es im Alltag vielleicht, Unsicherheit, Ärger oder Angst zeitweilig zu verbergen. Dauerhaft kannst du deine inneren Haltungen jedoch nur schwer aus deiner Wirkung heraushalten. Sie zeigen sich in deinem Tonfall, deiner Körperhaltung, deinen vorschnellen Antworten, deinen Rechtfertigungen – und nicht zuletzt in deiner Fähigkeit zuzuhören.
Denn echtes Zuhören verlangt innere Freiheit. Du musst für einen Augenblick darauf verzichten, dich selbst darzustellen, zu verteidigen oder durchzusetzen. Du gibst einem anderen Menschen Raum, ohne diesen Raum sofort wieder mit deinen eigenen Gedanken zu besetzen.
Gerade darin liegt die gewinnende Kraft des Zuhörens. Wenn dein Gegenüber sich wirklich gehört fühlt, erlebt es Wertschätzung. Das bedeutet weder Zustimmung noch Unterordnung. Zuhören heißt zunächst nur: Du nimmst den anderen und das, was er dir sagen möchte, ernst genug, um nicht sofort über ihn hinwegzureden.
Dein Selbstbild entscheidet mit darüber, ob dir das gelingt. Wenn du deinen eigenen Wert nicht in jedem Gespräch neu beweisen musst, kannst du neugieriger fragen, Widerspruch besser aushalten und auch einmal schweigen. Innere Sicherheit macht dich nicht wortlos – aber sie macht dich empfänglicher für dein Gegenüber.
Vielleicht zeigt sich ein starkes Selbstbild deshalb nicht darin, wie eindrucksvoll du über dich sprichst. Vielleicht zeigt es sich viel deutlicher darin, wie aufmerksam du anderen Menschen zuhören kannst.
Der heutige Gedankenfunke:
Hörst du in Gesprächen noch zu – oder formulierst du innerlich bereits deine nächste Antwort?
Bleib gelassen. Wenn du dir Zeit zum Zuhören nimmst, wird auch deine Antwort besser. Schlagfertigkeit und Reaktionen nach Art des großen Galliers „Hau-drauf-und-Schluss!“ waren der Kommunikationsstil des letzten Jahrtausends.
Für dich und deine Karriere ist es wesentlich besser, dich auf einen solchen Schlagabtausch gar nicht erst einzulassen. Es kann sein, dass du dadurch den einen oder anderen Kampf verlierst. Langfristig wirst du jedoch die Oberhand gewinnen und behalten.
Wenn du dich auf eine Schlammschlacht einlässt, kannst du zwar gewinnen. Ein glänzender Sieg wird es trotzdem nicht – denn am Ende wirst auch du beschmutzt sein.